Sicherheitsprofis wollen · hinaus in die Welt

tl_files/STG-Beikirch/bilder-content/news/Landeszeitung-LZ-2018/KLA-STG-GF-LZ-Lokales-2018-web.jpg

Doppelspitze: Derek Corrigon (links) und Frank Wienböker wollen als Geschäftsführer den Export von KLA | STG stärken

 

Lemgo-Lieme. Der Lemgoer Hersteller von Industrieelektronik und Sicherheitstechnik, STG-Beikirch, peilt die Eroberung internationaler Märkte und damit verbunden ein starkes Umsatzwachstum an. Vor zwei Jahren war der an der Lie mer Trifte ansässige Betrieb mit dem Mutterkonzern, der Bad Salzufler Essmann-Gruppe, an das irische Familienunternehmen Kingspan verkauft worden. Und dieses ver folgt eine neue Strategie für STG-Beikirch, bekräftigt Geschäftsführer Frank Wienböker: Dem Geschäft der Lemgoer soll über die globalen Kontakte von Kingspan neuer Schwung verliehen werden.

Umsatz und Mitarbeiter
Derek Corrigan, seit dem Engagement von Kingspan ebenfalls Geschäftsführer an der Trifte, gibt das Ziel aus, in fünf Jahren bei 45 Millionen Euro Jahresumsatz zu liegen. Zum Vergleich: 2017 schaffte STG-Beikirch 25 Millionen Euro, der Zwischen-schritt für 2018, das Jahr in derp. das Unternehmen übrigens sein 30-jähriges Bestehen feiert, lautet nun 28  Millionen Euro. Erwirtschaftet wird die Summe mit knapp 180 Mitarbeitern-Tendenz steigend. Wienböker: „Wir würden von heute auf morgen neun Ingenieure einstellen." Doch der Fachkräftemangel ist auch bei STG-Beikirch deutlich zu spüren.

Deutschland und die Welt
Dass STG-Beikirch internationaler werden soll, ergibt sich aus der Sättigung des deutschen Marktes. In Deutschland wird kaum ein Hochhaus gebaut, ohne dass Sicherheitstechnik made in Lieme verbaut würde. Bei Rauchschutz-Druckanlagen, die im Falle eines Feuers die Rettungswege frei von lebensgefährlichem Rauch halten, ist STG-Beikirch bundesweit die Nummer eins. Die Wachstumschancen sind in diesem Bereich gut und STG-Beikirch möchte hier Marktanteile gewinnen.

Leuchtturmprojekte
Europas höchstes Wohnhaus, der Grand-Tower im "Frankfurter Europaviertel, der ebenfalls am Main stehende Omni-Turm, das Klimahaus in Bremerhaven: Bei großenNamen steckt meist STG-Beikirch drin, wenn auch in eher unauffälligen Bauteilen wie auto matischen Fensteröffnungen oder in der Sicherheitstechnik, deren Existenz man bestenfalls nur im Ernstfall bemerkt. In der Veltins-Arena auf Schalke steht der größte Schaltschrank, den STG-Beikirch jemals gebaut hat: Zwölf Meter lang läuft über ihn die komplette Steuerung der Fassadenfenster. Für den Flughafen Münster-Osnabrück hat STG-Beikirch die Klimatisierung neu konzipiert – über Nacht kommt seitdem automatisch kühle Luft herein. In einem Jahr hatte sich die Investition für die Flughafengesellschaft gerechnet, sagt Wienböker.

tl_files/STG-Beikirch/bilder-content/news/Landeszeitung-LZ-2018/KLA-STG-Werk2-Lemgo-web.jpg

Teils des Firmensitzes: Werk2 von STG-Beikirch liegt an der Trifte im Industriegebiet Lemgo-West bei Lieme.

Produktion und Kapazitäten
In der Elektronikfertigung laufen die Maschinen nach Angaben von Geschäftsführer Derek Corrigan im Drei-Geschicht-Betrieb. Gerade erst hat STG-Beikirch in eine neue Produktionsstraße investiert, die in Sachen Automatisierung neue Maßstäbe setzt. Zehn Millionen Bauteile können pro Monat bestückt werden. „Damit können wir gegen Niedriglohnländer bestehen“, ist Wienböker überzeugt. So werde das Lemgoer Unternehmen seine Kapazitäten in den kommenden Jahren deutlich ausbauen.

Neue Märkte
Dafür müssen die Abnehmer von internationalen Märkten kommen. Während STG-Beikirch bei den Rauchschutz-Druckanlagen bis dato nur in Deutschland und der Schweiz verkauft, sollen schon 2019 Österreich und die Beneluxstaaten dazu kommen. Eine Strategie, die alle Unternehmenssparten durchzieht. Bei der Gebäudeautomation, also den Antrieben und Steuerungen von Fenstern, verspricht sich Derek Corrigan eine Steigerung des Exportanteils von 25 auf 50 Prozent. Kein Wunder, denn der deutsche Markt stagniert, weiß Wienböker.

„Ein steiniger Weg“
Seit der Übernahme durch Kingspan arbeitet STG-Beikirch daher an Produktzulassungen für unterschiedliche Märkte. Da es stets um sensible, sicherheitsrelevante Systeme geht, sei das „ein steiniger Weg“, sagt Wienböker. Von Nation zu Nation gebe es unterschiedliche Vorschriften und Prüfvorgaben. Apropos: Gerade die Qualitätssicherung macht laut STG-Beikirch die Stärke des Unternehmens aus.

Prüfen, prüfen, prüfen
Ausfälle oder defekte Teile, darunter auch LED-Leuchten für Kühlschränke und Öffnungsmechanismen für Lichtkuppeln von Essmann oder Fenster von Schüco, gibt es so gut wie keine. „Auf 100.000 Stück vielleicht mal einen“, sagt Wienböker. Das System dahinter, das Fernost-Produzenten in dieser Strenge nicht garantieren könnten: „Prüfen, prüfen, prüfen“, sagt Wienböker. „Test, test, test“, sagt Derek Corrigan. Um die Idee hoher Qualitätsansprüche, die aus dem Geschäftsbereich der Sicherheitstechnik stammt, auch international zu vermitteln, hat STG-Beikirch den Auftritt auf der Münchener Baumesse im Januar beispielsweise als internationales Partnertreffen arrangiert, sagt Annik Erdmann, zuständig für den Bereich Marketing.

Effizienz und neue Strukturen
Im Komplex an der Trifte läuft ein Umbau, der mit Optimierung und Effizienz überschrieben werden kann. Durch Umzüge sollen Wege für Mitarbeiter verkürzt werden, mehr gesprochen als gemailt werden. So sei auch Platz für neue Maschinen und neue Mitarbeiter, betont Frank Wienböker. In Teilen des Unternehmens werde, beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Lemgo, auch erst im Ein-Schicht-Betrieb produziert: Es ist also Luft nach oben.

Sparte „Light and Air“
Obgleich STG-Beikirch im Mutterkonzern, der an mehr als 100 Standorten weltweit etwa 3,5 Milliarden Euro Umsatz macht, nur ein kleiner Baustein ist, haben die Iren nach dem Essmann-Kauf eine eigene Sparte für die deutschen Spezialisten gegründet: „Light and Air“. Die Geschäftsführung in Lemgo hat übrigens ihre üppigen Büros mit meterlangem Chef-Schreibtisch, Besprechungsecke und „Tanzfläche“ eingetauscht. Stattdessen sitzen sich Corrigan und Wienböker im gemeinsamen Büro direkt gegenüber, in das kein dritter Schreibtisch mehr passen würde. Der kleine Konferenztisch ist auf den Flur verbannt. „Hier sind wir direkt beim Vertrieb und bekommen mit, was sich tut. Hier geht keiner ohne Entscheidung raus.“

 

Text: LZ - Till Brand
Foto: KLA | STG - Annik Erdmann

Zurück

Diese Website benutzt Cookies. Wenn Sie die Website weiter nutzen, gehen wir von Ihrem Einverständnis aus.
OK